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Karin Ackermann z.V.g.

Das Marathonwunder: Von der Couch auf die Zielgerade

Karin Ackermann ist 32 Jahre alt, sie ist Friseurin und im September 2016 ihren ersten Marathon gelaufen. Davor war sie, sagen wir mal: faul. Lasst euch von Karins Erfolgsstory inspirieren, denn das könnt ihr auch schaffen.

„Bloß nicht zu weit laufen“, das waren Karins Gedanken, wenn sie ihre laufbegeisterten Eltern oder Freunde noch vor einigen Jahren vom Straßenrand aus beim Laufen angefeuert hat. Sie selbst hat sich zum damaligen Zeitpunkt nur mäßig bewegt. Das letzte Mal so richtig Sport getrieben hatte sie vor 15 Jahren beim Volleyball. Karin Ackermann ist 32 Jahre alt und arbeitet als Friseurin in Berlin.

Karin Ackermann

Der Wendepunkt

Karin war nicht unbedingt das, was man sich unter einer Sportlerin vorstellt. Genauer gesagt: Sie bewegte sich wenig, mochte Sport so gar nicht. Dass das allerdings mit einem wenig vitalen Leben einhergeht, dürfte klar sein.

Irgendwann hat es ihr dann gereicht, sie wollte etwas an sich ändern und abspecken. Zusammen mit einer sportlich sehr aktiven Freundin stellte sie vor etwa fünf Jahren ihre Ernährung um und begann zu joggen. Das Joggen war damals nur Mittel zum Zweck, Mittel zum Abnehmen.

2015 nahmen Karin und drei Freundinnen an einem 5-Kilometer-Lauf teil, ihre Freundinnen liefen zusammen, Karin trabte hinterher. An Kilometer 4 warteten ihre Freundinnen, um mit Karin den letzten Kilometer gemeinsam zu laufen.

„Ich kam dort an und pfiff aus dem letzten Loch. Das hat mich so unfassbar genervt, dass es irgendwie Klick im Kopf gemacht hat.“

Ab diesem Zeitpunkt verabredeten sich die vier Frauen einmal wöchentlich zum Morning Run, Mittwochmorgen vor der Arbeit. Jede Woche. Immer wieder.

Karin Ackermann

Karin (Mitte) beim Run mit ihren Freundinnen – damals war sie noch blutige Anfängerin.

Der Eintritt in die Welt der Läufer

Irgendwann beschlossen die drei aus einer euphorischen Laune heraus, den Berliner Halbmarathon zu laufen. Der Ehrgeiz war geweckt, die Anmeldung zum Halbmarathon sorgte für Ansporn. Die drei liefen regelmäßig und schlossen sich einer Laufgruppe an (damals Boost Berlin, heute adidas Runners).

Bei den Läufen mit der Crew war Karin immer die Letzte. Vor jedem Run studierte sie die Strecke, um alleine hinterher traben zu können.

„Weißt du, was mich motiviert hat? Das Gruppenbild am Ende. Ich wollte unbedingt auf diesem Bild sein, deswegen bin ich jeden Mittwoch aufgestanden und gelaufen.“

Kurz vor dem Halbmarathon fragte ein Running Captain Karin, ob sie nicht Lust hätte, Teil der Gruppe #WhoSaidGirlsCantRace zu sein. Diese Aktion fand 2016 zum ersten Mal statt und sollte ein aktiver Beitrag gegen die niedrige Frauenquote bei Marathons sein. Frauen mit mehr oder weniger einschlägigen Lauferfahrungen wurden so auf ihren ersten Marathon vorbereitet.

Karin Ackermann

Die Laufgruppe half Karin, motiviert zu bleiben.

Wer einmal Blut leckt, …

„Nachdem ich mich bei meinem ersten Halbmarathon im April 2016 einmal mit der Masse durch Berlin geschleppt hatte, dachte ich mir: “‘Die gesamte Strecke noch einmal? Nie im Leben.’“

Drei Tage nach dem Halbmarathon sah das natürlich anders aus, Karin hatte Blut geleckt. Nun sollte es auch der Marathon im September 2016 sein. Dass das ein sehr ambitioniertes Ziel war, durfte Karin schnell spüren. Als Teil von #WhoSaidGirlsCantRace musste sie ihr Trainingspensum drastisch erhöhen, drei- bis viermal wöchentlich laufen und Kraftsport treiben. Eine Art Sucht entwickelte sich, eine positive Sucht.

Karin Ackermann Spree

Das Joggen wurde zu einem wichtigen Teil in Karins Leben.

Die Vorbereitung auf den ersten Marathon

Ein Marathon ist nicht gleich zwei Halbmarathons, ein Marathon ist eine Extremsituation. Karin versuchte, ihren Körper an die ihm bevorstehende Belastung zu gewöhnen. In ihren Laufeinheiten kam es nicht aufs Tempo an, sondern auf die Belastungszeit von mehr als 240 Minuten und darauf, dem Körper beizubringen, seine Reserven zu nutzen.

42 Kilometer ist sie in der Marathonvorbereitung nie komplett gelaufen. Ihre längste Distanz waren 36 Kilometer.

„Mein Running Coach sagte immer: ‘Warum solltest du deinem Körper diesen Stress zweimal antun?’“

Selbstverständlich sollte man vor einem Marathon schon ein paar Mal über die 30-Kilometer-Marke hinausgegangen sein, der Rest läuft sich an Tag X jedoch irgendwie – wenn auch qualvoll.

Karin Ackermann

Karin lernte das Laufen lieben und schätzte die Zeit für sich allein.

 

Der erste Marathon, die ersten 42 Kilometer

Im September 2016 war es soweit. Der Marathon lief super für Karin. Während einige ihrer Freunde und Laufkollegen einbrachen oder tot unglücklich mit ihrer Leistung waren, war es für Karin eine Art Heimspiel. Nur einmal wurde sie schwach.

Karin Ackermann

„Zwischen Kilometer 37 und 41 hatte ich absolut keine Lust mehr. Zum Glück standen dann meine Eltern noch einmal da, die haben mich echt gerettet.“

Alle 5 Kilometer sammelten sich Freunde und Familie am Straßenrand, feuerten an, reichten tot geschüttelte Cola oder Wasser. Karins Eltern standen an vier verschiedenen Stellen. Und genau das scheint das Erfolgsgeheimnis:

„42 ist eine wirklich hohe Zahl, die so unfassbar weit weg ist. Bei einem 10er Lauf zählst du zehnmal, das geht bei einem Marathon nicht. Ein Marathon ist ein Kampf. Es gibt gute und schlechte Kilometer.

Während des Laufs habe ich mich auf mich konzentriert und ich wusste, wo genau meine Freunde oder die Familie an der Seite stehen. So habe ich mich von Höhepunkt zu Höhepunkt gehangelt.

So ähnlich war das schon beim Halbmarathon, da wollte ich bei Kilometer 18 aufhören. Meine Freundin hat mich nur angeschaut und gesagt: ‘Das glaube ich nicht. Da vorne kommt der Cheering Point, da musst du nochmal gut aussehen.’ Die Cheering Zones sind Gold wert – so viel Lärm, Trommeln, Konfetti, ein unbeschreiblicher Schub. Du fliegst quasi durch diese Zone, das ist der Wahnsinn. Aber ohne diesen Support geht es nicht.

Es tut so gut, zu wissen, dass da Leute sind, die an dich glauben. Leute, die die Vorbereitung auf diese verrückten 42 Kilometer mit dir durchstehen und dir Fragen beantworten. Solche Leute brauchst du.““

4 Stunden, 44 Minuten, 19 Sekunden und die Tränen fließen

Es gibt ein Bild von Karin, welches sie kurz vorm Ziel des Marathons, kurz vor dem Brandenburger Tor, zeigt. Auf diesem Foto hat Karin ihre Augen geschlossen und ein Lächeln auf den Lippen.

Karin Ackermann

Karin bei ihrem ersten Marathon, kurz vor dem Ziel.

„Ich weiß noch ganz genau, was mir da durch den Kopf ging: ‘Jetzt kann mir nichts mehr passieren, ich bin gleich am Ziel, ich habe die 42 geschafft.’ Das war die pure Erleichterung.“

Vor dem Marathon war es Karins Ziel, unter 5 Stunden anzukommen. Als sie dann im Ziel am Brandenburger Tor ankam, schossen ihr direkt die Tränen in die Augen. Getoppt wurde dieser Wahnsinn von ihrem Running Coach, der ihr „4:44:19“ entgegen plärrte.

„Und dann war alles vorbei, ich war fix und fertig.“

Karin Ackermann
Karin Ackermann

Und es geht weiter

Eigentlich stand bereits im April 2017 Karins nächster Marathon auf dem Plan, doch zehn Tage vor dem Wien Marathon verletzte sie sich. Sie sagte den Lauf ab und musste notgedrungen eine längere Pause einlegen. Seit ein paar Tagen testet sie sich wieder an das Laufen heran, die ersten 5 Kilometer seit April sind schon gelaufen. 5 Kilometer und wieder völlig außer Puste.

„Nächstes Jahr werde ich definitiv in Wien starten. Ich will diese Medaille, die ist so cool. Eine Stern-Medaille – kein hässlicher, ein hübscher Stern – und unten ist ein Swarovski-Kristall. Das wird der erste, richtige Lauf, auf den ich mich nach meiner Verletzung wieder vorbereiten werde, vielleicht wird es auch mein letzter Marathon, aber ich werde ihn laufen.“

Karin Ackermann Adidas Runners

Geduldig, hartnäckig und zielstrebig – Karin hat die 42 Kilometer geschafft und wartet schon auf die nächsten.

Und irgendwie muss man selbst dieser langwierigen Verletzung etwas Gutes abgewinnen, denn in ihrer Laufpause wurde der einstigen Faulenzerin, die mittlerweile übrigens über 30 Kilo abgenommen hat, erst einmal bewusst, wie sehr sie das Laufen braucht.

„Einfach raus gehen, wild drauf los laufen und den Kopf frei bekommen. Ich kann gar nicht mehr ohne und kann es nicht mehr abwarten, wieder richtig loslegen zu können.“

 

Tobias Singer ist Manager der adidas RUNBASE Berlin und Running Coach bei den adidas Runners. Im Interview gibt er dir professionelle Tipps für deinen ersten Marathon

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